18 September, 2019, 00:54

Berlin dämmt das E-Scooter-Sharing-Chaos ein

Berlin geht die neuen Probleme mit den neuen Verkehrsmitteln an. Die Stadt möchte Probleme mit den zum Verleih aufgestellten Tretrollern lösen, die Besitzer eigener E-Scooter nicht kennen. Im Gespräch mit der Senatsverwaltung für Verkehr einigten sich die Leihrolleranbieter mit der Verwaltungsspitze auf die Einhaltung verschiedener Regeln. So sollen beispielsweise die kleinen Elektrofahrzeuge ab sofort nicht mehr am Pariser Platz und auch nicht mehr am Holocaust-Mahnmal abgestellt werden.

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Auf wenige Meter genau lassen sich die beliebten Flitzer orten. Das gibt den Anbietern einen Schlüssel zur Lösung des Problems in die Hand. Per Definition sollen die Roller an diesen Orten nicht mehr geparkt werden können. Der Haken für uneinsichtige Nutzer: Stellen sie das Fahrzeug an einem der illegalen Orte ab, läuft der minütliche „Taxameter“ weiter, bis ein vereinbarungsgemäßer Parkplatz erreicht ist. Die Zeche für Parken am falschen Ort zahlt dann der Nutzer über die von seinem Konto abgebuchten Gebühren – ein starkes Argument. Nutzer eigener E-Tretroller sind von den Einschränkungen nicht betroffen.

Die Anbieter haben nach dem furiosem Auftakt im Juni und teilweise schlechter Presse für die neuen Verkehrsmittel selbst Interesse an einem geregelten Miteinander. Auslöser der Zusammenkunft im Verkehrssenat waren unter anderem Beschwerden von Fußverkehrs- und Behindertenverbänden über die neuen Stolperfallen.

Die Absprache bildet einen Auftakt für weitere Vereinbarungen. Mittelfristig sollen die praktischen Flitzer vollständig von den Gehwegen verschwinden. Zudem ist vorgesehen, das Parkverbot auf andere historisch bedeutsame Orte auszudehnen, teilte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) mit. Die Vermietfirmen seien nach Günthers Angaben geleitet gewesen, „vom Bestreben, die Akzeptanz der E-Scooter deutlich zu erhöhen“.

Zentrale Schwierigkeit bildet dabei das Auffinden alternativer Abstellmöglichkeiten im öffentlichen Straßenland. Außer Autoparkplätzen bieten sich dafür nach Senatsangaben Stellen an, die bisher nicht erkannt wurden, oder auch sehr augenfällig sind und illegal genutzt wurden. Bezirkspolitiker aus den Bezirken zeigen sich optimistisch. „Platz gibt es genug“, bemerkte etwa die Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Sie kündigte an, bis zum Saisonbeginn 2020 ausreichend Plätze zur Verfügung zu haben. Auch ihr Amtskollege aus dem Bezirk Mitte, Stephan von Dassel, vermutet reichlich Potenzial in den 30.000 Autostellplätzen allein in seinem Bezirk.

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel sieht Platz in dem Bereich von fünf Metern, die an Kreuzungen und Einmündungen freigehalten werden müssten, die Autofahrer aber gerne wie selbstverständlich als illegale Parkplätze in Anspruch nehmen. Diese Bereiche betrachtet er als wie geschaffen für einen Umbau zu Stellflächen, sowohl für E-Tretroller als auch für Fahrräder. Wegen der Stolpergefahr wünscht sich das Stadtteiloberhaupt Sperrgebiete, beispielsweise rund um Senioreneinrichtungen. Abstellsperren durch die Hersteller misst er dabei einen sehr viel höheren Nutzen zu als den täglichen Aufräumaktionen der Ordnungsämter. Als sehr viel größeres Problem für Neukölln nannte Hikel das nächtliche Abstellen von E-Tretrollern in Grünanlagen. Bei Tagesanbruch hätten diese in Neukölln vielfach nur noch Schrottwert. Allerdings kennen die Leihroller auf der technischen Seite noch keine Fahrsperren. Außer Bürgersteigen zählen da auch Grünanlagen hinzu.

Erkennbarer Mangel an mietbaren E-Tretrollern besteht noch in den Außenbezirken, die sich bisher praktisch nur in der City konzentrieren. Gerade dort, wo das Netz an Öffentlichem Personennahverkehr wesentlich dünner ist, zeigen die Anbieter noch sehr wenig Präsenz. Außenbezirke und Umland sind daher Regionen, in denen sich die Anschaffung eines eigenen Rollers besonders lohnt.

Den Nutzern grundlegende Regeln beibringen

Mittlerweile fahren fast 6000 E-Tretroller durch das Berliner Stadtbild. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik berichtet von dem Gespräch, die Vermieter hätten zugesagt, die Nutzer mit grundlegenden Regeln vertraut zu machen. Mieter von Rollern sollen künftig mit Hilfe von Apps dazu genötigt werden, die Vorschriften gemäß der Straßenverkehrsordnung und Straßenverkehrszulassungsordnung zur Kenntnis zu nehmen. Bisher genügte da eine Zustimmung zu pauschalen Vereinbarungen.

Erste Berliner fanden seitdem bereits Angebote zu Sicherheitstrainings in ihrem Mailbriefkasten. Künftig sollen auch Apps oder Angebote in Jugendverkehrsschulen für mehr Verständnis elementarer Verkehrsregeln sorgen.

Ähnliche Vereinbarungen mit Leihrolleranbietern wurden in den vergangenen Tagen auch schon in anderen Kommunen getroffen, beispielsweise in Köln.