18 September, 2019, 00:53

Zugelassene E-Tretroller ab August

Die Prognosen des ersten Halbjahrs haben sich bewahrheitet: Seit Zulassung der elektrischen Tretroller Mitte Juni flitzen die praktischen Fortbewegungsmittel über alle Straßen. Häufig sind es die Leihmodelle von Lime, Tier oder Circ mit ihrem derzeit unschlagbaren Alleinstellungsmerkmal: Dem Versicherungskennzeichen. Denn allein Roller mit deutscher Straßenzulassung dürfen versichert werden, alle anderen fahren illegal, und Fahren ohne Versicherungsschutz ist eine Straftat. Die zugelassenen Roller erfüllen die deutschen Regeln der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) wie bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit und Ausstattung mit Vorder- und Rücklicht. Für den Straßenverkehr zugelassen sind bisher aber erst wenige Modelle.

Zwei Hersteller hatten die Nase vorn und Zulassungen des Kraftfahrtbundesamtes bereits eingeholt, während der Bundesrat noch die Feinheiten debattierte. Der Metz Moover und der BMW X2City überzeugen beide durch solide Bauweise und Verarbeitung als auch überzeugende Motorleistungen und Reichweiten für ihre 20 km/h. Am oberen Ende der Preisskala darf der Verbraucher erwarten, lange damit zufrieden zu sein. Allerdings fließen beim etwas klobigeren BMW X2City fast 2.400 Euro über den Tisch des Hauses. Der Käufer bekommt dafür 20 Kilo, einen starren Aluminium-Gitterrohrrahmen, Reifen von souveränen 16 Zoll und einen Akku von 408 Wattstunden. Der soll genug Strom für rund 20 bis 30 Kilometer bereitstellen. Als Renommiermarke sorgen zwei Magura-MT2-Scheibenbremsen für zuverlässiges Anhalten. Zwei Leuchten der Marke Supernova erhellen die Nacht. Der Metz Moover gleicht da schon eher dem Erscheinungsbild, wie man es von einem E-Tretroller vermutet. Er wird in Deutschland gebaut und kostet 2000 Euro. Für alle, die genug gewartet haben, bieten die Beiden einen wesentlichen Vorteil: Sofort erhältlich, schon straßenzugelassen.

Hersteller Iconbit schickt mit den Modellen ICONBIT IK-1971K DELTA PRO, dem IK-1969K CITY und dem ICONBIT IK-1972K TRACER gleich 3 Ausführungen am Start. Alle schaffen die 20 km/h. Unterschiede sind Ausstattung und Preis, so dass sich die Produkte in der Spanne von 400 bis 500 Euro bewegen. Geliefert wird nicht vor September 2019.

Cityblitz geht mit dem existenzialistisch schwarz gehaltenen CB064 E-Scooter ins Rennen, mit schicken gelben Reflektoren. Wie seine Mitbewerber ist er mit 20 km/h angegeben, erhältlich ab Anfang September 2019 für 550 Euro.

Moovi kann ein mit einem auffallenden Scheinwerfer versehenes Modell auf die Straße schicken, Höchstgeschwindigkeit 20 km/h. Der faltbare E-Scooter ist in schwarz-rot erhältlich. Käufer müssen sich preislich auf rund 800 Euro einstellen. Als frühester Liefertermin wurde dabei der 31. August genannt.

Technostar wartet mit zwei verschiedenen Modellen auf, die beide 20 km/h machen. Der TECHNOSTAR TES 300 E-Rica E-Scooter schlägt mit 600 Euro zu Buche, der TECHNOSTAR TES 200 E-Rich E-Scooter ist schon für 500 Euro zu haben. Als Liefertermin müssen Interessenten Anfang Oktober ins Auge fassen.

Spartanisch wirkt auf den ersten Blick der CAT 2Droid Kickster S E-Scooter. Für 500 Euro bringt auch der es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und nimmt für sich eine Reichweite von 25 Kilometern in Anspruch. Potenzielle Fahrer müssen sich jedoch bis Ende Oktober gedulden.

Von SXT kommt mit dem E-Scooter SXT500 EEC ein etwas plumperer aber auch stabil aussehender Roller auf die Straße. Je nach Wahl punktet er mit einer maximalen Reichweite von 25km, 40 km oder 60 km. Der Motor bringt 600 Watt. Der bürstenlose Nabenmotor soll für sehr leise Fahrt ebenso sorgen wie optimierten Energieverbrauch. Luxus ist der integrierte Tempomat. Der stellt nach 8 Sekunden ohne Veränderung die gefahrene Geschwindigkeit automatisch ein. Je nach Ausstattung erleichtert dieser Roller die Kundenkasse zwischen 270 und 680 Euro. Lieferung ist bereits ab Mitte August 2019 möglich.

Derweil schlagen in allen Medien die Wellen hoch zum Thema Flächenkonkurrenz. Es geht vordergründig um Verantwortung und hintergründig um die Frage, wem die Straße gehört. Allein den Autofahrern? Den Mopeds und Fahrrädern? Aber auch zweispurigen Lastfahrrädern, Elektrofahrrädern, Tretrollern, E‑Tretrollern, Segways oder Hoverboards? Bei allen Verteilungskämpfen verbindet sich vor dem Hintergrund der Klimasituation damit die Frage, wie viele Autos ein jedes dieser Gefährte ersetzt. Besucher des Berliner Technikmuseum können in Zeitungsausschnitten und Karikaturen besichtigen, welche ähnlichen Debatten vor 100 Jahren zu Rücksichtslosigkeit und anderen Begleiterscheinungen geführt wurden, als sich die Automobilisierung zunehmend Raum nahm. Probleme mit E‑Tretrollern als Massenphänomen, Übermut und Rücksichtlosigkeit oder Vandalismus sind lästig und bedürfen zu Recht noch einiger kreativer Lösungen. So wie auch die im letzten Jahrhundert zu anderen Verkehrsmitteln gefundenen Lösungen schwerlich alle Verkehrsteilnehmer zufrieden stellen können wird es auch mit den E‑Tretrollern laufen. Nur: Ein Verbot oder zu umfangreiche gesetzliche Reglementierung ist beim Stand der Klimasituation auch keine Lösung.