18 September, 2019, 01:44

Leise und gemütlich mit dem E Scooter abseits der Ballungsräume

Die Zeitungen sind voll von Berichten über den E-Scooter Hype quer durch alle europäischen Großstädte – dabei sind die kompakten und praktischen Fortbewegungsmittel gerade auf dem Land ein großer Segen.

Die zwei Kilometer von der S-Bahn zum Ziel, die hippe Stadtrundfahrt, entspannt durch den Park flitzen und den geliehenen E-Scooter einfach da stehen lassen wo es gechillt hingehen sollte: So präsentiert sich die Werbung für die praktischen Helfer zur Überwindung der kleinen Distanzen zwischendurch. Viel wichtiger ist der eigene E-Scooter da, wo andere Verkehrsmittel selten werden.

Rollerverleih, Buchen per Handy-App, Ausprobieren der verschiedensten Anbieter und Modelle, sucht man auf dem Land eher vergebens. Mangels Druck, unbedingt bei den Ersten dabei sein zu müssen verkleinert sich auch der Coolness-Faktor. Der praktische Nutzen ist jedoch unschlagbar. Lange Wege sind gerade da ein Problem, wo der Bus nur jede Stunde fährt. Wenn überhaupt das Wort Bushaltestelle bekannt ist oder das Ziel mit vertretbarem Aufwand erreichbar. Zwei Kilometer zu Fuß sind eben eine knappe halbe Stunde, und das selbe zurück. Viel Aufwand für einen Landarztbesuch oder um ein Ei zu kaufen. Gerade außerhalb der Städte sind sie zu finden, die abgehängten Dörfer, die weitläufigen Industriegebiete, die Logistik-Zentren mit hervorragender Straßenanbindung und unterirdisch schlechtem Anschluss an das öffentliche Nahverkehrsnetz. Dort wo Hügel das Radfahren für Katzensprünge verleiden. Wo Supermärkte fern jeder Mittagspausenlaufweite liegen, das Auto zwar Ballast aber alternativlos ist. Alternativlos war,  korrigierterweise, seit im Juni die E-Scooter zugelassen wurden: Roller in den Kofferraum, Roller in Bus oder Bahn, und von dort mit Wind in den Haaren und ohne verschwitzte Bluse auch mal den übernächsten Imbiss oder das Nachbardorf anfahren können. Den Berg hinauf ohne Anstrengung.

Noch mehr haben sie auf dem Land was den Städtern fehlt: Platz! 5 Roller auf dem Hof stimmen den Chef gelassener als 30, und die Lademöglichkeit während des Tages an der nächstbesten Arbeitsplatzsteckdose dürfte bei 8 Cent pro Vollladung ebenso verhandelbar sein wie ein trockenes Abstellplätzchen im Haus.

Nur ausleihbare E-Scooter sucht man hier vergebens. Eig‘ner Herd ist Goldes wert, drängt sich dort auf, und eigener Roller noch viel toller. Dann kann nur noch eine Sache schiefgehen: Bei Feld- und Wirtschaftswegen, bei holprigem Untergrund quer durch den Wald sollten Sie doch lieber auf den Coolness-Faktor ihres alten Mofas zurückgreifen.