19 July, 2019, 20:37

Geduld zahlt sich aus

Samstag, der 15. Juni 2019 geistert als mutmaßliches Datum für die endgültige Zulassung der e‑Tretroller durch alle Gazetten. Doch wasserdicht ist der Termin keineswegs. Drei Tage vor dem erhofften R-Day (Roller-Tag) verweist das Bundesverkehrsministerium noch immer nebulös auf den Zeitraum „Mitte bis Ende Juni 2019“. Fakt ist: Legal dürfen die Roller erst auf öffentliches Straßenland, wenn die Regelungen im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden (ausgenommen die sehr wenigen jetzt schon zugelassenen Modelle). Ob das geschehen ist, weiß man frühestens am Tag der Veröffentlichung. Das heißt im Umkehrschluss: Jede Nutzung zuvor verstößt gegen die Gesetze, ist illegal und strafbewehrt.

Auch die Versicherer halten sich drei Tage vor dem 15. Juni zurück. Keine Ein-Klick-Angebote und direkt losfahren. Exemplarische Suchen bleiben so kurz vor dem anvisierten Termin überraschend erfolglos. Bei der HUK Coburg finden Interessenten ausführliche Erläuterungen der Bedingungen, aber keinen „Kauf mich“-Button. Die Allianz-Versicherung hat einen „jetzt kontaktieren“-Knopf und meldet sich mutmaßlich zurück, sobald es soweit ist. CosmosDirekt leitet den Suchenden zur Motorrad-Versicherung. Das System kennt weder E‑Scooter noch Tretroller. Die Gothaer findet Treffer zu Mopedversicherung ebenso wie  zum Leichtkraftrad, doch keine e‑Tretroller.

Konkret bedeutet das: Bis zum offiziellen Verkaufsstart dürfen E‑Scooter weiterhin nur auf Privatgelände gefahren werden. Wer dies ignoriert macht sich strafbar. Fahren ohne Fahrerlaubnis ist ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Zahlreiche E‑Scooter-Enthusiasten zahlten dafür bereits empfindliche Strafen und sammelten Punkte in Flensburg.

Auch wenn es sommerlich kribbelt: Noch ist Abwarten angesagt, wenige Tage bis zum Verkaufsstart der E‑Scooterversicherung. Passiert dem Fahrer vorher ein Unfall, hat er keinerlei Versicherungsschutz – auch nicht über die Privathaftpflichtversicherung! Das gilt sowohl für Schäden am eigenen E-Kleinstfahrzeug als auch für Schäden gegenüber Dritten.

Dieselbe Geduld und Aufmerksamkeit erfordert auch die Kaufentscheidung, welche E‑Scooter die gesetzlichen Anforderungen tatsächlich erfüllen. Denn nur für E‑Scooter mit der Kennzeichnung „Elektro-Kleinstfahrzeug“ kann die Versicherung abgeschlossen werden. Diese Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) vergibt das Kraftfahrt-Bundesamt. Bei Kauf gibt dann die Bezeichnung auf dem Fabrikschild am Fahrzeug darüber Auskunft. Wer diese Regeln beachtet, vermeidet das Risiko, das teure Fahrzeug am Ende doch nicht im öffentlichen Verkehr fahren zu dürfen oder eine teure Umrüstung samt Einzelabnahme finanzieren zu müssen.

Das sind die E Tretroller des Monats.