17 June, 2019, 05:02

Bundesratsbeschluss winkt E Tretroller unter Auflagen durch

Es wurde eine schwere Geburt für die Länderkammer, die Interessenabwägung: Auf der einen Seite die ungeahnten Chancen mit dem Auftauchen eines neuen Verkehrsmittels. Die Vision, ausprobieren zu können, die Innenstädte von der Last der Autokolonnen und Parkraumverbraucher zu entlasten. Wo weniger Autos hupen bleibt mehr Platz für das Leben, bummeln, schlendern, gemütlich in die Schaufenster zu blicken, Innenstädte lebenswerter und gefahrloser zu machen. All das hätte es kostenlos gegeben. Ohne Planfeststellungsverfahren oder politische Querelen ist damit zu rechnen, dass sich die Verkehrsströme mit den neuen Teilnehmern von selbst neu sortieren, die Anteile sich neu verteilen. Auf der anderen Seite stand das Schutzbedürfnis genau jener Fußgänger, Kinderwagenchauffeure, unplanbarer Kleinkinder, Rollatorpiloten und und anderer Bummelanten (was ihnen auf jeden Fall zusteht!).

Der Bundesrat hat nun eine radikale aber klare und immerhin jedem verstehbare Regelung durchgesetzt. Gehwege den Fußgängern, und alles was rollt auf die Straße. Ob Rollerfahrer auf Bürgersteigen die entsprechenden Regeln der Rücksicht gegen Schwächere beachtet hätten muss so nicht geprobt werden. Eine Regelung, mit der E-Tretrollerfahrer leben können werden: Den eiligen Teil der Reise auf der Straße, den gemütlichen zu Fuß. Autofahrer werden sich eine Weile an die neue Konkurrenz gewöhnen müssen auf der Fläche, die viele als ihre allein eigene betrachten.

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, soll Helmut Schmidt einst gesagt haben – doch was bisher noch fehlt ist genau das. Selbst wenn die Mikromobilisten mit 12 oder 20 km/h durch die Stadt sausen, nehmen sie immer noch viel weniger Platz ein als der Autoverkehr. Unter dem Strich dürften sie das Statdtbild beruhigen statt aufmischen. Nicht nur, dass mindestens 4 fahrende Roller in den Raum eines fahrenden Autos passen. Der Sicherheitsabstand zum voran fahrenden Fahrzeug kann bei 20 km/h viel geringer bemessen werden als bei 50 km/h. Platzsparender zu parken sind sie auch – warum nicht in den frei werdenden Parkhausplätzen? Mit Sicherheit wird die Anzahl der Rollerunfälle gegenüber der Vor-Roller-Zeit ansteigen. Schwieriger zu messen ist der hoffentlich zurückgehende Autoverkehr und Anstieg der Lebensqualität.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat diese Chancen nach anfänglicher Skepsis erkannt. Beklagten die Verbandsvertreter vor Monaten noch, ihnen wolle jemand ein Teil ihres kleinen über Jahrzehnte erstrittenen Reservats streitig machen, setzt man da jetzt auf die große Lösung: Fahrräder und Elektroroller sollen gemeinsam eine Fahrspur bekommen, der Autoverkehr den Rest.

Der Bundesrat hat heute unser Land einen großen Schritt weiter gebracht. Der ADFC-Vorschlag als nächstes Ziel wäre nicht nur aus CO2-Gründen ein Riesenschritt für die Menschheit!