19 July, 2019, 20:59

Der Spaß rückt näher

In Barcelona sind sie der Renner, in Tel Aviv ist der Spaß groß, in den USA sind sie schon zu  Tausenden unterwegs. Auch in Deutschland – nur sind sie pro forma hier noch illegal. Elektrische Tretroller sind schwer im Kommen. In der vierten Maiwoche soll der Bundesrat das Gesetz durchwinken, welches auch hierzulande das verstärkte Rollern erlaubt. Verkehrsminister Andreas Scheuer will sich dem Trend nicht entgegen stellen, schon weil er in den E-Tretrollern eine Entlastung der Innenstädte vom raumgreifenden Autoverkehr sieht.

Bisher wusste der Gesetzgeber nicht so recht wo er sie einordnen soll, bewegen sich doch die Eigenschaften irgendwo zwischen Rollschuhen und Moped. Was ist – verkehrstechnisch und versicherungsrechtlich gesehen – das Hoverboard als elektrisch betriebenes Skateboard? Unterscheidet sich, juristisch betrachtet, ein E-Tretroller von einem E-Tretroller mit Sattel (E-Scooter)? Welche Rolle spielen die höchstzulässige und die höchstmögliche Geschwindigkeit und das Alter der oder des Fahrenden? Straßenzulassung oder nicht, Fahrradwegpflicht oder Helm? Auf den Bürgersteig, oder auf die Straße, oder hängt das mit der Geschwindigkeit zusammen? Versicherungspflicht, Mindestalter, Höchstgeschwindigkeit, Führerschein und Sachkunde? Bis wann bewegt man mit seinem so genannten Elektrokleinstfahrzeug ein Freizeit-, Spaß- und Spielgerät, und wann wird es zum Motorfahrzeug? Darüber thronen die großen Fragen: Wem Bürgersteig und Straßenraum gehören und die unvermeidlichen Haftungs- und Versicherungsfragen.

Herauskommen wird ein kompliziertes Gesetz, dessen Kontrolle keinem Polizisten zu wünschen ist. Vor 1965 geborene Menschen werden voraussichtlich ohne jegliche Einschränkungen fahren dürfen, allenfalls ist ab bestimmten Höchstgeschwindigkeiten ein Versicherungskennzeichen zu erwerben. Für Windfreunde unter 12 gelten andere Regeln als darüber, und mit 14 gibt es einen Stapel weiter Rechte hinzu. Von Volljährigen wird dann ab bestimmten Höchstgeschwindigkeiten ein Führerschein verlangt. Die genauen und jeweils zutreffenden Regelungen dürfte der Händler am Genauesten kennen.

Einige wenige Modelle haben jetzt schon Zulassungen dank einer Sondergenehmigung des Kraftfahrt‐Bundesamtes, dürfen also schon im späten April und frühen Mai 2019 auf öffentlichem Straßenland gefahren werden. Alle anderen müssen sich bis dahin eigentlich auf privatem Gelände bewegen und können im schlimmsten Fall Bußgelder, Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Fahren ohne Versicherungsschutz oder Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei nach sich ziehen. Ab Juni 2019 dürften diese Einschränkungen gefallen sein und sich das Angebot an verfügbaren Fahrzeugen vervielfachen.

Was passt, das hängt außer dem Alter und der Führerscheinausstattung vor allem vom vorgesehenen Nutzungszweck ab: Soll das Ding sehr leicht und grazil sein, damit es in der U-Bahn mitgenommen werden kann und nur den Fußweg zum Büro verkürzt? Oder darf es 50 Kilo wiegen, weil es sowieso im Wohnmobil spazieren fährt und dort die Reichweite der Reisenden erweitert die oft am Stadtrand parken müssen? Wo kann ich den Akku aufladen, was kann ich wie auseinander bauen und wo und wie mit dem Ladegerät zusammen bringen? Es lohnt, sich über den angestrebten Verwendungszweck Gedanken zu machen.

Das sind die E Tretroller des Monats.